Fotografie I

25. Juni – 02. Juli 2017

Es begann mit der eigenen Theaterleidenschaft Mitte der 1990er Jahre in Bielefeld. Karen Stuke studierte Kommunikationsdesign an der dortigen renommierten Fachhochschule und schloss das Studium als Photographin mit einem Diplom bei Gottfried Jäger ab. Nebenher besuchte sie die Aufführungen unterschiedlichster Theater, wo sie u.A. im Fach Regie hospitierte. Damals entstanden ihre ersten Theaterbilder mit einer Camera Obscura…

Während Theaterphotographen bei Proben in erster Linie Standbilder mit langen Objektivbrennweiten machen, interessierte die Berliner Künstlerin schon immer das Gesamtgeschehen zeitlich und räumlich als Totale. 

So belichtet sie kurzerhand ein gesamtes Theaterstück auf einem einzigen Negativ mit einer Camera Obscura. Einzelheiten sind auf einer solchen Langzeitaufnahme natürlich kaum mehr erkennbar; stattdessen sieht man schleierhaft die Bewegungen der Darsteller auf der Bühne. 

Es sind Langzeitbeobachtungen, in denen sich die Zeitphasen überlagern und zu einem Gesamteindruck verschmelzen. Die Begeisterung für die beiden künstlerischen Ausdrucksmedien Theater und Fotografie spiegelt sich auch in der Verwendung der Camera Obscura wider, denn die Pappboxen entsprechen formal einer Guckkastenbühne. 

Die Photographie I Klasse in Venedig geht von diesen Möglichkeiten der Camera Obscura als Impulsgeber aus. Jedem/r Teilnehmer/in ist in dieser Klasse freigestellt eigene Ideen der Anwendung zu entwickeln, oder auch ausgehend von diesen Möglichkeiten völlig eigene Wege zu gehen.

Begonnen wird der Kurs mit der Einführung in die Lochkamerafotografie. Karen Stuke stellt neben eigener, auch verschiedene Arbeiten anderer Lochkamera Fotografen vor um die Vielseitigkeit dieses Mediums aufzuzeigen.

Sie stellt außerdem diverse Lochkameras vor, die von den TeilnehmerInnen genutzt oder auch als eigene Kameras gebaut werden können. Im weiteren Verlauf der Klasse werden die Teilnehmer ihre jeweils eigenen Interpretationen und Anwendungen entwickeln. Daher werden im Workshop auch jegliche handelsübliche Analog - oder Digitalkamera verwendet werden. 

Erfahrung mit Kameras oder Dunkelkammerarbeit ist nicht erforderlich. 

Dieser Workshop ist sowohl für AnfängerInnen geeignet, als auch für erfahrene FotografInnen, die gerne einmal die Regeln brechen möchten.

Leitende Dozentin: Karen Stuke, Berlin

 

 

Fotografie II

02. Juli – 16. Juli 2017

In der Gruppe werden wir zusammenarbeiten, um Bilder / Poster auszuarbeiten, die wir an Orten aufhängen können, die dafür geeignet sind... nur mit Bildern, keinem Text. Dies können wir jeden Tag dokumentieren und gegebenenfalls über Instagram, oder ähnliches verbreiten. Alle diese technischen Fragen und der Ablauf der Praxis werden Teil der täglichen Arbeit sein.

Die Meisterklasse wird sich auf den Status der Fotografie heute konzentrieren. Es gibt bereits die Idee der "Postfotografie." Wir werden uns mit der Beziehung zwischen der Idee der Zeit, die ein Teil des Fotografierens selbst ist, und der Unmittelbarkeit in Bezug auf das Gedächtnis beschäftigen.

Eine allgemeine Definition der Fotografie, würde dazu neigen, dem Medium die Fähigkeit zu geben, Momente der Vergangenheit einzufrieren, die wir visuell in der Gegenwart erfahren. In Roland Barthes 1980 veröffentlichtem Buch "La Chambre Claire" gibt es eine besondere Analyse der Fotografie. Abgesehen davon, dass die Fotografie nicht mit einer der anderen "klassischen" Formen der Darstellung verglichen werden kann, ist sie auch nicht Erinnerung. Aus der Mechanik und einem chemischen Prozess resultierend, gibt sie keinen Blick auf die Vergangenheit, sondern zeigt ''ça a été" - "das was gewesen ist". "Die Fotografie sieht nicht zurück auf die Vergangenheit (...) Die Wirkung die sie hat, die sie in mir erzeugt, ist nicht darzustellen, was nicht mehr ist (...), sondern auszusagen, dass das, was ich sehe, dort war."

Fotografie bildet nicht notwendigerweise ab, was nicht mehr ist, sondern einzig und mit aller Sicherheit, das was da war. Während man einen Moment auswählt und ihn durch eine Fotografie fixiert, bezeugt diese hiermit die unaufhörliche Auflösung der Zeit. Paradoxerweise hat Roland Barthes zu diesem Ausdruck "ça a été"" hinzugefügt. "das war" ein anderer Ausdruck, der für ihn die Gewissheit der Wahrheit unterstreicht, die der Fotografie beigefügt wird. Der Autor bemerkt, dass die Fotografie "mechanisch wiederholt, was sich nie existenziell wiederholen kann." Es sagt "das ist es!" - "c'est ça!"

Wie sollen diese zwei Sichtweisen heute verstanden werden?

Leitender Dozent: Laurent Montaron, Paris

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